Dienstag, 10. Januar 2012

M1 Garand AEG Conversion I


Hintergrund
Das US Rifle .30 M1, besser bekannt als „Garand“, nimmt in technischer Hinsicht eine einzigartige Stellung im Arsenal aller, im Zweiten Weltkrieg eingesetzten, Waffen ein.
Als erstes echtes halbautomatisches Gewehr für den einfachen Rifleman in einem leistungsfähigen Kaliber für Kampfentfernungen von über 200m war es in den 1930er Jahren eine moderne Innovation. Von John Cantius Garand entwickelt wurde es kurz vor dem Kriegseintritt der USA 1941 als Ablöse des Springfield M1903 zur Standardwaffe der US Army und kurz darauf beim USMC. Das Garand ist ein halbautomatischer Gasdrucklader mit einer Kapazität von acht Patronen der Patrone .30-06 Springfield (7,62X63mm) auf einem „enbloc clip“ welcher von oben eingesetzt wurde.
Auch wenn das Garand im globalen Vergleich nicht lange im Dienst, speziell als Primärwaffe, war wurde es doch zum einen in enormer Stückzahl (ca 5,5Mio Waffen) produziert und zum zweiten basieren auch andere, zT. noch heute eingesetzte, Waffen auf dem Garand. Genannt seien an dieser Stelle das M1 Carbine, das M21/M1A/M14 (welches ins besondere als EBR Version aktuell zum Einsatz kommt) und das bekannte Ruger Mini 14/AC556. Da es das M1 Garand lange überhaupt nicht als Airsoft-Version gab und es auch nach wie vor keine AEG Ausführung (auch wenn es Gerüchte um ICS gibt) entwickelt wurde war die Idee ein eigenes, funktionierendes, elektrisches Airsoft Garand zu bauen gebohren.

Entwicklung
Das Grundkonzept war einfach und schien ohne grossen Aufwand realisierbar. Bereits kurz nachdem ich mit meinem M2HB fertig war entschied ich mich das M1 Garand quasi zwischen zu schieben, weil ich zu dem Zeitpunkt mehrere neue Ideen für andere Projekte in dem Bereich hatte aber keine Muse mich gleich wieder in eine ähnlich aufwendige Sache wie dem grossen cal .50 zu stürzen. Das Grundprinzip bestand einfach darin die Funktionsteile und das Metallgehäuse einer M14 AEG (Aufgrund von Form und Aufbau bestens geeignet) in einen Real Steel oder Replika M1 Garand Schaft einzupflanzen.
Ich fing zuerst mit der Recherche nach Möglichkeiten, entsprechende Teile zu organisieren, an. Nachdem ich Videos und Bilder vom Deko M1 Garand von Denix sah, kam dieses für mich nicht in Frage. Ich hatte vorher bereits ein paar Dekowaffen (vorwiegend Pistolen und Revolver) in den Händen welche wirklich nur zur Anschau geeignet waren. Design und zT. die Funktionen waren durchaus vorhanden aber die Haptik und auch die Robustheit scharfer Waffen war einfach nicht gegeben. Auch das Denix M1 machte auf mich keinen hochwertigen Eindruck und ich war aufgrund der geplanten Modifikationen am Schaft auf stabiles Material angewiesen. Auch da ich plante mir den Grössten Part an Metallteilen (Gehäuse) sowieso dem Airsoft M14 zu entleihen rentierte sich eine komplette Replika oder ein so gut wie unerschwingliches entmilitarisiertes Original nicht wirklich. Schaftteile originaler Garands gab/gibt es bei eGun. Der Plan war erst einmal nur einen gebrauchten Schaft zu kaufen und an diesem allein den Versuch durchzuführen ihn passend zu der M14 Gearbox auszuhöhlen.

Bau
Schaft Teil I
Als der Schaft eintraf war ich zuerst einmal entsetzt über den Zustand. Sicher waren die ca. 40€ nicht viel Geld für einen Schaft einer Real Steel jedoch habe ich im Netz Bodenfunde (Nagut, vielleicht Dachbodenfunde :) ) in besserer Qualität gesehen. Nichts desto trotz war der Schaft bestens geeignet für den Umbau. Wenn dieser nämlich nicht klappen würde wären nur 40€ in den Sand gesetzt und nicht 100€ oder mehr für einen Neuen.
Der Verkäufer hatte abseits von eGun auch andere, Fabrikneue, Garandschaftteile anzubieten und so schlug ich auch hier zu und kaufte sogleich einen vorderen und einen oberen Handschutz dazu die in hervorragendem Zustand und teilweise beschlagen waren. Der vordere war sogar noch in einer Art Ölpapier eingeschlagen und machte einen wirklich neuen Eindruck.

M1 Garand Real Steel Teile.

Zunächst lagen alle Teile wieder mal einige zeit im Schrank rum. Ich hatte keine GB zum anpassen (die aus der M2, welche ebenso eine M14 GB verwendet wollte ich nicht demontieren) und auch noch keine passende Idee wie ich den Griff des Garand-Schaftes so aushöhlen sollte, dass der M14 Motor hinein passt. Da der Winkel ziemlich flach und das Schaftinnere sehr klein ist war wenig Raum für Werkzeug zum Bearbeiten. Mit konventionellen Methoden (Feile, Stechmeisel usw) war dem Holz nicht beizukommen ohne es wirklich stark zu beschädigen oder genaue Maße einzuhalten. Mit dem Dremel hatte man aufgrund seiner Bauform keine Chance tief in den Schaft vorzudringen geschweige denn den Ausbruch von ca. 35mm auszuarbeiten. Auch ein Flexaufsatz (dessen Kopf etwas schmaler ist) passte so gut wie nicht und damit wäre es eine Qual gewesen. Leider gibt es auch keine Werkzeuge die entsprechend Lang genug wären tief in den Schaft hinein zu arbeiten. Nachdem ich im Forum für kleines Geld eine M14 GB-Shell für das Projekt kaufte war mein Ehrgeiz geweckt. Die GB MUSSTE in den Schaft.
Die Anpassung des Schaftes gestaltete sich erwartungsgemäss aufwendig. Es musste viel Material weggefeilt und gedremelt werden. Besonders an den Aussenwänden im Ausbruch für das Verschlussgehäuse/Abzugsgruppe musste jeweils ca. 10mm Wandstärke weichen. Ein Geduldspiel ist die Feinarbeitung zum Anpassen des mechanischen Teils der GB. Immer wieder mussten hier und da ein paar mm Holz ausgedremelt werden bis das Teil endlich passte. Zuviel Material sollte auch nicht entfernt werden, da die GB auf keinen Fall zu locker im schaft sitzen durfte! Der schwierigste Part stellte natürlich der Motorteil der Box dar. Der Plan war eine Kombination von maschineller und mechanischer Bearbeitung. Zuerst wollte ich mit einem 300mm langen Bohrer einige Bohrungen durch das Griffsegment machen um den Rest dann mit Stechmeiseln herauszuarbeiten. Dazu musste mit den Bohrungen natürlich genau der Winkel des Motors (wie er an der GB-Shell befestigt ist und später im Schaft sitzen sollte, damit der Rest, also Gehäuse und Lauf, exakt in Waage liefen) eingehalten werden. Mit einer Ständerbohrmaschine und dem Richtigen Schraubspanner kein Problem. Leider erwies sich der Schaft natürlich als zu Lang für die Maschine! Also musste ich mit dem immens langen Bohrer nun manuell Bohren und Versuchen den Winkel so gut es ging einzuhalten und auch nicht irgendwo an den Aussenwänden des Schaftes heraus zu bohren. Ich setzte zuerst eine Bohrung mittig an und fertigte dann ein paar Bohrungen herum. Ich bohrte durch das Griffsegemt bis in die, von der Schaftkappe her kommenden Bohrungen für des Reinigungsequipment welche später den Akku aufnehmen sollten und somit für die Kabel einen Durchbruch zur Gearbox benötigten. Statt jetzt mit den Holztrennmeiseln den Griff zu vergewaltigen kam mir die Idee mit einer sogenannten Lochkreissäge (Aufsätze für die Bohrmaschine) und einer entsprechenden Verlängerung in den Griff zu bohren und Ihn somit schonend auszuhöhlen. Das übriggebliebene Holz trennte ich heraus. Das Ergebniss kann sich sehen lassen. Sauber und masslich ausreichend. Sicher war später noch etwas Anpassungsarbeit nötig um das komplette System vollständig einzupassen. Allerdings beließ ich es bei diesen Zustand um später nicht zu bereuen zuviel Material im Vorfeld entfernt zu haben.


















Systemgehäuse
Um es mir so leicht wie möglich zu machen, verwendete ich (wie oben schon erwähnt) den „Upper-Reciever“ des Airsoft M14 für das Garand, da sich beide Systeme optisch aufgrund der engen technischen Verwandtschaft stark ähneln. Dies jedoch leider nicht 100%zig.
Auf der linken Gehäuseseite gibt es dezente optische Unterschiede die auf das etwas modernere M14 hinweisen. Ausserdem ist das Garandsystem aufgrund der Grössenunterschiede der .30-06 gegenüber der .308 des M14 etwas länger und daher merkbar zu kurz für den Garandschaft. Zuerst entfernte ich die Schwalbenschwanzführung direkt vor dem Diopter-Visier bzw oberhalb des Auswurffensters, da eine solche am Garand nicht vorhanden ist. Die linke Seite wurde komplett gecleant und teilweise mit JB-Weld (geniales Zeug) gespachtelt (Löcher/Ausbrüche). Ausserdem habe ich direkt neben dem Auswurffenster eine Vertiefung gefräst, wie sie beim Garand vorhanden ist. Das kniffligste war die optische Verlängerung des Gehäuses. Ich entschied mich dafür einfach das vordere Ende des Gehäuses zu verlängern, so das es optisch besser in den Schaft passt und die Proportionen hier zumindest teilweise stimmten. Ich habe am vorderen Teil deswegen viel Material in Form von „Powerknete“ aufgetragen, da JB-Weld dafür zu filigran gewesen wäre. Ich schliff die Powerknete nach dem Aushärten ab und modellierte daraus eine optische Verlängerung des Gehäuses. Für das Finish trug ich noch einmal eine Schicht JB-Weld auf um die Oberfläche glatter zu gestalten, dass es nach dem lackieren wie aus „einem Guss“ wirkt. Das Auswurffenster zu Vergrössern hielt ich für zu aufwendig und hätte in Hinsicht auf die spätere Funktionstüchtigkeit einiges erschwert.


Das bearbeitete M14 Gehäuse. Erkennbar ist der neugestaltete Frontteil.
 Vergleich der Gehäuse von M14 (oben)
und meinem Garand nach dem Lackieren

An der Stelle an der beim M14 der Verschlussfanghebel sitzt, wurde beim M1 Garand eine Vorrichtung bzw Taster zum lösen des Clips angebracht um diesen entnehmen zu können.
Auch hier habe ich keine 100% Übereinstimmung zum Original erreichen können, genau an dieser Stelle sitzt leider eine Schraube zur Befestigung des Magazinschachtes und damit der daran verbundenen Gearbox, die unbedingt weiterhin erreichbar sein musste. Da auch an dieser Stelle einiges an JB-Weld aufgetragen wurde, welches unter der Schraube evtl versagt hätte, baute ich den Taster nach der Vorlage aus Aluminium nach und versah diesen mit einer Bohrung für die Schraube sodass der Taster (der ja an meinem Garand ohne Funktion war) als Konter diente. Im echten Garand ist an dieser Stelle im Taster natürlich keine Bohrung/Schraube, aber die Funktion und Haltbarkeit gingen auch an dieser Stelle wieder vor!

Taster am Gehäuse. Darunter das Vorbild.

HIER gibts dann Nachschlag in Form des zweiten Teils des Bauberichtes und auch den zweiten Teil der:

Gallerie Teil I:






Keine Kommentare:

Kommentar posten